Der Lärm um dich herum im Bus wird immer leiser, denn die Gedanken in deinem Kopf sind wiedermal sehr laut …

Vielleicht übertreibe ich wieder nur. Vom Hundertsten ins Tausendste, das ist mein Ding. Worte reichen oft nicht aus. Die Intensität meiner Gefühle wiegt schwer wie Blei. Ich hyperbel und metapher und male mir alles bildlich aus. Spürst du es jetzt vielleicht auch? Manchmal höre ich einen Schrei. Ich schaue nach links, ich schaue nach rechts. Es ist Niemand da. Ich bin allein. Um mich herum ist alles ganz ruhig. Und dann merke ich, dass es meine Seele ist, die schreit. Sie möchte etwas sagen. Etwas sagen zu euch, wie ihr da steht mit eurem Millimetermaß. Wie ihr es an mich dranhaltet und messt und sagt: „Das entspricht aber nicht dem üblichen Maßstab, das ist nicht die Norm!“ Ich schaue an mir herunter, betrachte meinen Körper. Ich schaue in mich hinein, betrachte meine Seele. Vielleicht stimmt das ja auch irgendwie. Vielleicht bin ich nicht normal. Aber was ist schon normal? Wer bestimmt das denn? Und irgendwie, irgendwann wird es sich ändern. Werde ich mich ändern. Ich werde rausgehen und laut sein, es rausschreien. Dass es ok ist. Dass ich ok bin, so wie ich bin. Dass ich nicht deiner Meinung bin. Dass du mich verletzt, wenn du sagst, dass ich anders bin. Und überhaupt, dass es mich ankotzt. Anders als wer? Anders als er? Anders als sie? Anders als der Rest? Aber ich bin ich und du bist du und das ist auch gut so! Und dann sitze ich doch wieder da und bin ganz leise und sage…nichts. Nichts zu ihm, nichts zu ihr. Zu Niemandem. Ich lächle und nicke und lächle und lasse mich beurteilen, verurteilen, bewerten, entwerten.

…In diesem Moment schreckst du vom Rattern des Automaten, der eine Fahrkarte entwertet auf. Du drehst die Musik ganz laut und der Beat pumpt deine Gedanken für einen Moment davon.

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